Donnerstag, 6. Juni 2019

Tag-69 Grebenstein

In Grebenstein komme ich endlich mal wieder zu ner Pause. 
Die brauche ich auch, vor allem die Beine. Die sind ganz schön müde geworden und neigen zu Krämpfen. Da kommt eine physiotherapeutische Behandlung durch meine Schwester gerade recht.
Und das Material bedarf auch einer Überholung. Ich habe mich mit Bernd Kreuch in seinem Radladen verabredet, um den Erneuerungsbedarf festzustellen. Er hat dann auch ruckzuck zwei neue Mäntel aufgezogen, die Räder zentriert, hinten eine neue Bremsscheibe und Ritzelsatz eingebaut, vorne neue Bremsbeläge eingesetzt. Ich reinige die Kettenblätter und sonstigen Teile noch etwas, schließlich kommt noch eine neue Kette drauf ... so kann's dann weitergehen: am Samstag :-)

Tag-68 Rauschenberg - Grebenstein

Nach dem süßen Frühstück in einer Bäckerei folge ich wieder den Radwegen. Die stimmen nicht immer mit meiner ursprünglichen Tourplanung überein, erleichtern das Fahren aber ungemein. Die Strecke wird dadurch einerseits etwas länger, andererseits folgt sie konsequent den Flüssen und minimiert damit die Höhenmeter. Davon habe ich aber zunächst noch einige vor mir, da ich die Wasserscheide zwischen Rhein und Weser überqueren muss. Da sieht im Höhenprofil meines Routenplaners aber schlimmer aus als sie tatsächlich ist. 
Über wenig befahrene Nebenstraßen komme ich schließlich ins Tal der Urff. Und was stolziert da in einer Wiese ? Ich glaube es nicht: Ein Schwarzstorch ! Nachdem ich in Spanien so viele Störche gesehen habe, bin ich nun doch wirklich überrascht, hier bei uns einen zu sehen, noch dazu einen schwarzen!
Bereits morgens ist es drückend warm und in der Ferne ziehen dicke Gewitterwolken auf. Das mit der Wärme nimmt über Tag noch zu, aber vom Regen bleibe ich verschont. 
So folge ich also zunächst der Urff, der Schwalm und Eder, und dann rammele ich einfach die Fulle runner. 
In Kassel geht's durch die Fuldaaue zur Orangerie. Hier verabrede ich mich kurzfristig mit meinem alten Schulfreund Gert (mit "t" wie Tarzan) auf ein Treffen mit Weizen.
Und dann geht's zur Schlussetappe nach Grebenstein. Hier bin ich zur Schule gegangen und hier leben jetzt meine Eltern. Die sind aber gar nicht zu Hause, da sie mit meinem Bruder und seiner Frau auf einer Hochzeit in Polen tanzen. Also quartiere ich mich bei meiner Schwester ein. Doch jetzt geht's erstmal zur Nachfeier des 60. Geburtstages eines guten Freundes aus Landjugendzeiten ...





Dienstag, 4. Juni 2019

Tag-67 Löhnberg - Rauschenberg

Nach einem guten Frühstück geht's wieder auf den Lahntalradweg direkt an der Abfüllung von Selters vorbei. Neben den vielen kleinen Städtchen und Dörfern mit Stadtmauern und Fachwerk kommen jetzt ein paar größere Städte. Zunächst Wetzlar, wo die Spionagekamera Minox im Großformat für Schnappschüsse bereitsteht. In Gießen mache ich Mittagspause: die Spargelsaison will ich natürlich nicht einfach an mir vorbei ziehen lassen. Und in Marburg ist die sehenswerte Altstadt mal wieder am Berg. Aber das schieben lohnt sich nicht nur wegen der schönen Fachwerkhäuser, sondern auch für einen Milchkaffee mit Erdbeerkuchen. 
In Cölbe geht's ins Wohratal. Und dann habe ich auch schon Rauschenberg erreicht. Hier besuche ich eine gute Freundin meiner Mutter mit ihrem Mann, die sich sehr über den seltenen Besuch freuen. In ihrer Mühle wird kein Getreide mehr zu Mehl gemahlen. Für die Stromerzeugung wurde die Technik erst vor kurzem auf den neuen Stand gebracht. Bei einem gemeinsamen Abendbrot gibt's viel zu erzählen. 












Montag, 3. Juni 2019

Tag-66 Bad Ems - Löhnberg

Während die Jugendherberge schon für den nächsten Ansturm von 100 Schülern gerüstet wird, sitze ich als Einzelgast beim Frühstück. Die Auswahl ist reichlich und das heutige Angebot ist weit von dem entfernt, was ich von früheren Klassenfahrten in Erinnerung habe. Es gibt sogar Milchkaffee ;-)
Der LahnTALradweg wird seinem Namen leider nicht ganz gerecht. Dafür ist das Tal hier oft einfach zu eng. So geht's zunächst zum Kloster Arnstein rauf. Da wird sogar ein Pilgerstempel angeboten - ich lehne dankend ab, da mein Pilgerpass ja schon voll ist  :-) 
Die Regenwolken ziehen mit Gewitter bisher in einiger Entfernung vorbei. Doch dann kommt ein kurzer Guss runter, den ich unterm Poncho gut überstehe. Kurze Zeit später ist auch die Sonne wieder draußen und saugt die Nässe begierig auf. 
Und dann geht's nochmal richtig zur Sache. Diese Steigung hatte ich noch von unserer Männertour vor etlichen Jahren weniger gut in Erinnerung. Ein Hinweisschild kündigt die Planung eines Radweges im Tal an, aber einstweilen bleibt nur die schmale Straße mit knackiger Steigung. Zunächst 1 1/2 km mit etwa 150 Höhenmetern. Das alles bei etwa 27 Grad im Schatten und einer drückenden Schwüle. Selbst der Tacho kriegt da Messprobleme und steigt zwischenzeitlich bis auf 23% !? Für mich gibt's da nur eines: pied a terre - absteigen und schieben! Auf den Armen krabbeln irgendwelche Insekten - dachte ich, aber nein: es sind Schweißtropfen, echter Beamtenschweiß ;-) 
Oben glaube ich schon, es geschafft zu haben, aber nach kurzer Gefällstrecke gibt's noch einen Nachschlag von etwa 70 Höhenmeter auf 1 km. So steil wie's hier hoch geht, geht's auf der anderen Seite wieder runter: reine Energieverschwendung !! Die kann ich in Diez mit ner leckeren Tomatensuppe und einem isotonischen Weizen wieder kompensieren. 
Auf der Weiterfahrt gibt's immer wieder mal ein paar Tropfen, aber anfangs nichts ernsthaftes. Als es mehr wird, mache ich ne Pause mit Milchkaffee und Rhabarberkuchen. Der Regen kann sich nicht so recht entscheiden, also ziehe ich meine Regenklamotten an, denn ich will noch etwas weiter. Kaum habe ich das erledigt, hört es auf zu regnen - warum denn nicht gleich so ??
Schließlich erreiche ich meine Unterkunft und bekomme nach der obligatorischen Dusche ne ordentliche Portion spare ribs ...









Sonntag, 2. Juni 2019

Tag-65 Hatzenport - Bad Ems

Nach einem guten und gemütlichen Frühstück mit Andrea und Udo mache ich mich auf den Weg nach Koblenz. Als Alternative zum Radweg direkt an der Bundesstraße gibt's noch einen zwischen Weinbergen und Bahn. Das ist doch gleich viel entspannter. 
Nein, ich fahre nicht nach Odendorf. Das wäre zwar nur noch ein Katzensprung und zudem hatte Ida gestern ihren dritten Geburtstag, aber ich halte mich weiter an die Beschränkung für Handwerksburschen auf der Walz: nicht näher als 50 km an das Heimatdorf. Das hindert natürlich nicht, dass die Kinder nach Koblenz kommen :-) So verbringen wir bei sommerlichen Temperaturen gemeinsam einen schönen Nachmittag mit Flammkuchen und Eis. 
Sie fahren wieder nach Hause und ich fahre noch ein bisschen auf meiner Route an der Lahn aufwärts bis Bad Ems. In der dortigen JugendherBERGe gibt's noch freie Plätze. Die muss man aber erstmal erreichen. Wie der Name schon sagt, liegen die ja regelmäßig auf dem Berg. Jetzt weiß ich auch wieder, was mir lange gefehlt hat: 90 Höhenmeter auf 800m, die Tachoanzeige klettert in der Spitze auf 18% :-(
Oben angekommen habe ich nicht nur einen freien Platz gefunden, ich habe das Doppelzimmer auch für mich allein. Und weil auch das längste Wochenende mal vorbei ist, habe ich gleich die gesamte Herberge für mich allein.
Aber zum Abendessen muss ich erst mal wieder runter an die Lahn. Für den Rückweg steht mir also nochmal einiges bevor ! Es findet sich aber noch ein Joker: die Kurwaldbahn ist eine Standseilbahn und überwindet etwa 140 Höhenmeter spielerisch. So komme ich doch relativ entspannt wieder oben an - na dann gute Nacht !









Tag-64 Reil - Hatzenport

Das gute und reichliche Frühstück gibt's für die Hausgäste am großen Tisch im Esszimmer.
Die Kölner Radgruppe sinniert noch über die Weinmengen am Vorabend. Sie sind in Blankenheim gestartet und über den Vulkanradweg zur Mosel gefahren, heute geht's noch bis Koblenz. Vier junge Frauen hatten am Abenteuer auf Stroh zu schlafen ihren Spaß. Heute steht für sie noch eine Wanderung an. Die drei Quadfahrer waren dagegen wohl nicht so begeistert vom Stroh und sind gestern Abend gar nicht erst zurück gekommen.
Bei herrlichem Sonnenschein mache ich mich auf den Weg. Der führt durch viele kleine Städtchen und Dörfer. Vormittags ist nicht viel los. Die Winzer und Gastronomen bereiten sich noch auf die Gäste vor. Aber ab Mittag sind die Highlights wieder sehr überlaufen. Auch auf dem Fluss herrscht Hochbetrieb. Lastkähne sind auf ihrer Tour aber auch Kreuzfahrt- und Ausflugsschiffe und dann natürlich noch die Freizeitkapitäne. Wasser hat doch eine sehr große Anziehungskraft.
Der Radweg ist überwiegend in gutem Zustand. Hinter Cochem wird noch auf eine schlechte Wegstrecke hingewiesen und damit die andere Seite als Alternative angeboten. Da geht's aber direkt neben der Bundesstraße lang. So bleibe ich und nehme die Schotterpiste in Kauf, die wirklich hart ist. Sie verläuft aber im Schatten unter Bäumen durch pure Natur.
Schließlich komme ich bei Andrea und Udo, Mitfahrer meiner Skitour an. Sie haben vor einigen Jahren einen Winzerhof übernommen und ein wahres Schmuckstück daraus gemacht. Da steckt richtig viel (eigene) Arbeit und Liebe drin. Der Winzerbetrieb war schon etwas größer und so fällt der Rundgang etwas länger aus: Platz haben die beiden jedenfalls ausreichend. In den Anbau von Wein sind sie auch eingestiegen. Den probieren wir dann auch zum leckeren Abendessen. Prost und vielen Dank für die Einladung.